
/ 7" vinyl split with Myrkgrav
MYRKGRAV / VOLUSPAA Split 7“
(Einheit Produktionen)
Wer hätte auch etwas anderes erwartet? Der erste ernste Anwärter auf die Metal-Platte des Jahres kommt aus Norwegen. Wer jetzt dumm Maulaffen feil hält oder gar höhnt, dass es sich bei der gerade mal zwei Lieder umfassenden Single um gar keine vollwertige Platte handelt, der sollte seine Ohren ganz weit aufsperren, denn was VOLUSPAA und MYRKGRAV hier bieten, ist nordischer Metal vom wahrlich Allerfeinsten: herrlich lebendig und lebensbejahend intoniert, kraftstrotzend und folkloristisch – schon lange nicht mehr hat mich nordischer Folk Black Metal so begeistert! Die Kombination der beiden Bands macht aus mehrerlei Gründen Sinn: die hauptverantwortlichen Musiker kennen sich nicht nur dadurch, dass sie in derselben Gegend leben und der eine – Freddy Skogstad von VOLUSPAA – beim anderen – Lars Einar Jensen von MYRKGRAV – im Studio aufnimmt, sondern beide spielen ihre jeweils sehr eigenständig ausdifferenzierte Form nationalromantischen norwegischen Metals. Und beide treten Ärsche! Ehrlich gesagt kommt ich mir wie der letzte Hinterwäldler vor, dass ich bisher von VOLUSPAA noch keinen Ton gehört habe – wie konnte dieses Projekt so unbemerkt an mir vorbeigehen? Das Lied namens „Ferden Går Videre“ nimmt mit grimmigem Riffing gleich ordentlich Fahrt auf und feuert zunächst eine schwarzmetallische Breitseite ab, bevor sich verstärkt eine Kombination von dunklem und erhabenem Gesang sowie mächtigen Melodien Bahn bricht, wie sie Enslaved von Album zu Album immer weiter ausbaldowern. Erstaunlich ist der Nachdruck, mit welchem dieses Lied immer weiter vorangetrieben und variiert wird. Der Song endet hymnisch-folkloristisch mit grandiosem Gesang. MYRKGRAVs Beitrag „Sjuguttmyra“ fällt im direkten Vergleich gerade mit der Hardanger Fiedel zu Beginn noch eine Spur folkloristischer aus, haut jedoch auch mächtig in die langsam Rost ansetzenden Kerben, die einst von Naturburschen mit so großartigen und stilprägenden Alben wie „The Olden Domain“ oder „Ödemarkens Son“ geschlagen wurden. Nach der langen Pause seit „Trollskau, Skrømt Og Kølabrenning“ singt Lars Einar Jensen hörbar befreit und enthusiastisch auf und lässt die reine Freude an der Musik durchklingen, welche in einer Gitarrenmelodie von der Asen Gnaden gipfelt, bevor es zu einem kurzen und heftigen Ende kommt. Was hier in einem Lied geboten wird, sucht man auf vielen Langspielalben vergeblich, und weckt bei mir eine wilde Sehnsucht nach ausgedehnten Wanderungen in den Bergen, nach Rückzug in die Natur und eine Erdung unter freiem Himmel. Viel Schöneres kann Musik wohl kaum anrichten. Wenn die anvisierte Ummantelung im Gatefold-Cover der erhabenen Musik gerecht wird, dann dürfte diese Split 7“ eines der allerschönsten Sammlerstücke im nordischen Folk Black Metal werden. (TW)
13 / 14 Punkte